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Köln - ANN macht möglich!:Theaterprojekt UN|ZERBRECHLICH

Das Dokumentartheaterprojekt UN|ZERBRECHLICH wurde im Rahmen des Sommerblut Kulturfestivals Köln vom 13. bis 15. Mai 2026 im Orangerie Theater aufgeführt - gefördert durch die Aktion Neue Nachbarn.
Foto Projekt aus KStA
Datum:
21. Aug. 2026
Von:
Isabel Heinrichs

Das Projekt entstand in enger Kooperation des Förderkreises der ukrainischen Veteranen NRW e.V. mit einem interdisziplinären Ensemble aus ukrainischen Kriegsveteranen, professionellen Theaterschaffenden, Musiker:innen, Sozialarbeitenden und Ehrenamtlichen. Es verbindet dokumentarisches Theater, performative Künste, Musik und sozialpädagogische Arbeit zu einem kohärenten Gesamtformat, das die Erfahrungswelten ukrainischer Kriegsveteranen für ein deutsches Publikum erfahrbar macht. 

Im Mittelpunkt stehen ukrainische Soldat:innen, die im Rahmen des russischen Angriffskrieges schwerste physische und psychische Verletzungen erlitten haben und sich zum Zeitpunkt des Projekts in medizinischer Behandlung und Rehabilitation in Köln und Umgebung befanden. Das Projekt schaffte für diese Personen einen niedrigschwelligen Zugang zu kultureller und gesellschaftlicher Teilhabe und leistete damit einen substanziellen Beitrag zur psychosozialen Rehabilitation sowie zur sozialen Inklusion in das deutsche gesellschaftliche Leben. 

Das Projekt verfolgte folgende miteinander verschränkte Zielsetzungen: 

– Sichtbarmachung der Erfahrungen ukrainischer Veteranen in der deutschen Öffentlichkeit und Schaffung eines empathischen gesellschaftlichen Dialograums;

– Förderung der psychosozialen Rehabilitation durch die transformative Kraft künstlerischen Ausdrucks, insbesondere durch biografisches Erzählen, Improvisation, Gesang und körperliche Ausdrucksarbeit;

– Stärkung von Selbstwirksamkeit, Würde und gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit der Teilnehmenden durch öffentliche Sichtbarkeit und die Erfahrung, die eigene Geschichte zu erzählen und dabei von einem professionellen Ensemble und Publikum wahrgenommen zu werden;

– Soziale Inklusion in das kulturelle und gesellschaftliche Leben Kölns und Deutschlands durch aktive Teilnahme am Kulturbetrieb;

– Aufbau interkultureller Begegnung und Vertrauensbeziehungen zwischen ukrainischen Veteranen, deutschen Theaterschaffenden, Sozialarbeitenden und dem Publikum;

– Dokumentation und künstlerische Verarbeitung von Kriegserfahrungen als Beitrag zu einer kollektiven Erinnerungskultur.

Jenseits der rehabilitativen Dimension entfaltete UN|ZERBRECHLICH starke integrative Wirkungen. Für viele Teilnehmenden war die Uraufführung die erste Erfahrung eines öffentlichen Auftritts überhaupt und die erste Gelegenheit, die eigene Lebensgeschichte vor einem fremden, aufmerksamen Publikum zu erzählen. Die Aufführung ermöglichte den Veteran:innen, sich nicht als passive Empfänger:innen humanitärer Hilfe, sondern als aktive kulturelle Gestalter zu erleben – als Personen, die über Wissen, Erfahrungen und Geschichten verfügen, die für die deutsche Gesellschaft von Bedeutung sind. Diese Umkehr des Blicks – von der Bedürftigkeit zur Expertise – ist für Prozesse sozialer Inklusion von grundlegender Bedeutung.

Das Publikumsgespräch nach der Vorstellung vom 14. Mai schuf darüber hinaus einen strukturierten Dialograum, in dem Zuschauer:innen direkt mit Projektteilnehmenden und dem Gast Olexii Dorychevski in Austausch treten konnten. Das ukrainische Buffet und das anschließende Musikprogramm nach der Premiere verstärkten diesen Begegnungscharakter in einem informellen, niedrigschwelligen Rahmen.

Durch die Einbettung in das Sommerblut Kulturfestival – eines der renommiertesten inklusiven Festivals in Deutschland – erlangte das Projekt zudem eine gesellschaftliche Sichtbarkeit, die über den unmittelbaren Aufführungsraum hinausreichte. Das Festival erreichte ein breites, kulturinteressiertes Publikum und rahmte UN|ZERBRECHLICH als Teil eines größeren Diskurses über Solidarität, Würde und die Aufgaben einer demokratischen Zivilgesellschaft. 

Bericht von R. Spiegel