Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln
Regionale Angebote vor Ort

Dr. Niklas Harder auf dem Fachnachmittag 2026
Am 28. April fand der Fachnachmittag der Aktion Neue Nachbarn | Köln in den Räumen des Forum VHS, im Museum am Neumarkt statt. Teilgenommen haben über hundert Engagierte, die sich freiwillig oder beruflich für Menschen mit Fluchterfahrung einsetzen. Dr. Niklas Harder ist Co-Leiter der Abteilung Integration am Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Er machte den Einstieg in den Fachnachmittag mit einem sehr differenzierten wissenschaftlichen Blick. Die wichtigsten Fakten und Erkenntnisse fassen wir im Folgenden zusammen.
Zuwanderungen aus dem Ausland
Seit 2010 ist die Zahl der Menschen, die nach Deutschland einwandern, größer als die der Auswandernden. Wichtig dabei – nicht alle die kommen sind Geflüchtete. Die mit Abstand größte Gruppe der Zugwanderten kam 2024, mit gut 510.00 Personen, aus anderen EU-Ländern. Weiter gab es knapp 230.000 Asylerstanträge und gut 162.000 Aufnahmen aus der Ukraine. Dagegen kamen nur knapp 55.000 Menschen von außerhalb der EU zum Arbeiten nach Deutschland (Quelle: Migrationsbericht der Bundesregierung 2024).
Durch alle Zuwanderungen zusammen entstand ein reales Bevölkerungswachstum, weil die Auswanderungen niedriger waren, wie man in der folgenden Grafik sehen kann.

Drei äußere Faktoren haben wesentlich dazu beigetragen. In der sogenannten „Eurokrise“ kamen bis 2014 viele EU-Bürger aus Südeuropa. Durch den syrischen Bürgerkrieg gab es 2015/2016 einen ersten sprunghaften Anstieg bei den Zuwanderungen, vor allem durch Geflüchtete. Einen zweiten starken Anstieg dann 2022 durch die russische Invasion der Ukraine. Gleichzeitig wandern immer auch Menschen aus Deutschland aus, jedoch lag dieser Wert seit 2010 deutlich unter den Einwanderungszahlen.
Im Nachgang zum Fachnachmittag haben wir uns die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes angesehen, die nahelegen, dass der Saldo von Zuwanderung und Auswanderung deutlich rückläufig ist. Im Januarvergleich von 2026 und 2025 sind die Zuzüge von Menschen aus dem Ausland um 11 % gesunken und die Fortzüge um 10 % gestiegen – wenn der Trend sich bestätigt, wäre das für unser Land in vielerlei Hinsicht ein echtes Problem, wie im Folgenden deutlich wird.
Altersstruktur der Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte
Sehr aufschlussreich ist der Blick auf die Alterspyramide für das Jahr 2024. Ohne Menschen mit Einwanderungsgeschichte wäre der Anteil der Unter-60-jährigen in Deutschland wesentlich geringer und die jetzt schon spürbaren ökonomischen und gesellschaftlichen Probleme durch den demographischen Wandel wären noch größer.

Bedeutung der Migration für den deutschen Arbeitsmarkt
Die Auswirkung dieser Altersstruktur wird deutlich durch den hohen Anteil ausländischer Fachkräfte in den Engpassberufen. Das macht der Lagebericht Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft für 2024 deutlich.

Bei Berufskraftfahrter:innen, Köch:innen und im Gastroservice liegt ihr Anteil bei 30–35 %. Nach den Berufskraftfahrer:innen mit rund 160.000 migrantischen Arbeitskräften ist die Pflege mit rund 140.000 Personen zahlenmäßig der zweitgrößte Bereich in Deutschland.
Kurz gesagt, ohne Migration würde unser Land in vielen Bereichen deutlich schlechter dastehen, als es heute der Fall ist. Wir können unseren sehr hohen Lebensstandard also nur als Migrationsland einigermaßen erhalten.
Wie gut ist Deutschland im Bereich der Arbeitsmarktintegration?
Ermutigend war, dass Deutschland beim Thema Integration im europäischen Vergleich gut dasteht. Das Sprachniveau und die Beschäftigungsquote von Menschen mit internationaler Familiengeschichte sind überdurchschnittlich – bis jetzt. Auch der politisch beschlossene, sogenannte „Jobturbo“ zeigt in der wissenschaftlichen Auswertung positive Auswirkungen. Vor allem Menschen aus der Ukraine sind dadurch in die Beschäftigung kommen. Ihre monatliche Übergangsrate in Beschäftigung hat sich durch den Jobturbo verdoppelt.
Integration ist Aufgabe des Staates
Erst mit dem Aufenthaltsgesetz im Jahr 2005 ist die Integration von Migrant:innen zur Staatsaufgabe geworden. Eigentlich eine gute Entscheidung, denn selbst kleine Gesetzesänderungen haben eine große Auswirkung auf den Arbeitsmarktzugang, wie Dr. Harder an einem Beispiel eindrücklich nachweisen konnte. Wenn die Politik wollte, könnte sie hier noch mehr bewirken.
Fatal und vielfach kritisiert ist die jüngste Entscheidung des Bundesinnenministers, die Sprachkursangebote aus Kostengründen in großem Umfang zu kürzen, obwohl die Mittel dafür durch den Bund bereitgestellt worden waren. Auch wenn es aufgrund der starken Kritik mittlerweile „Nachbesserungen“ gibt, ist dieses politische Eingreifen ein deutlicher Rückschritt beim Thema Integration, der auch ökonomische Nachteile für unser Land mit sich bringt.
Empfehlungen und Fazit
Am Ende des Vortrages gab Dr. Harder drei sehr deutliche Empfehlungen – vor allem in Richtung der Politik und unserer gesamtgesellschaftlichen Haltung: