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ARBEITSMARKTINTEGRATION - EINE WISSENSCHAFTLICHE PERSPEKTIVE

Datum:
18. Mai 2026
Von:
Ulrich Thomas

Dr. Niklas Harder ist Co-Leiter der Abteilung Integration am Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Auf dem Fachnachmittag der Aktion Neue Nachbarn Köln am 28. April diesen Jahres, beleuchtete er das Thema Arbeitsmarktintegration mit dem Fokus auf Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus einer wissenschaftlichen Perspektive.  Sehr hilfreich für die knapp 120 Teilnehmenden, die ehrenamtlich oder beruflich in der Kölner Geflüchtetenhilfe tätig sind. Hier eine Zusammenfassung der für uns wichtigsten Erkenntnisse.

Zuwanderungen aus dem Ausland
Seit 2010 ist die Zahl der Menschen, die nach Deutschland einwandern größer als die der Auswandernden. In der sogenannten „Eurokrise“ kamen bis 2014 viele EU-Bürger aus den Südeuropäischen Ländern.  Im Jahr 2015 gab es einen ersten sprunghaften Anstieg bei den Zuwanderungen durch den syrischen Bürgerkrieg und einen zweiten 2022 durch die russische Invasion der Urkaine.
Bei der Aufbereitung der Zahlen im Nachgang des Fachnachmittags haben wir uns die Zahlen des Statistischen Bundesamtes angesehen, die naheleben, dass die Zuwanderungszahlen deutlich rückläufig sind. Im Januarvergleich von 2026 und 2025 sind die Zuzüge von Menschen aus dem Ausland um 11 % gesunken und die Fortzüge um 10 % gestiegen – wenn der Trend sich bestätigt, wäre das für unser Land in vielerlei Hinsicht ein echtes Problem, wie im Folgenden deutlich wird.

Altersstruktur der Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte
Interessant ist der Blick auf die Alterspyramide für das Jahr 2024. Ohne Menschen mit Einwanderungsgeschichte wäre der Anteil der unter-60-jährigen in Deutschland dramatisch geringer und die ökonomischen und gesellschaftlichen Probleme durch den demographischen Wandel wären schon viel größer.

2026-05 Alterspyramide nach Einwanderungsgeschichte SBA 2025

Bedeutung der Migration für den deutschen Arbeitsmarkt 
Die Auswirkung dieser Altersstruktur wird auch deutlich durch den hohen Anteil von ausländischen Arbeitnehmenden in den Engpassberufen. Das wird im Lagebericht Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft für 2024 deutlich . Bei Berufskraftfahrter:innen, Köch:innen und im Gastroservice liegt ihr Anteil bei 30-35 %. Nach den Berufskraftfahrer:innen mit rund 160.000 ist die Pflege ist mit rund 140.000 migrantischen Arbeitskräften zahlenmäßig der zweitgrößte Bereich in Deutschland.

2026-05 Anteil Beschäftigter ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Engpassberaufen 2023

Kurz gesagt, ohne Migration würde unser Land in vielen Bereichen deutlich schlechter dastehen als es heute der Fall ist. Wir können unseren sehr hohen Lebensstandard also nur als Migrationsland einigermaßen erhalten.

Wie gut ist Arbeitsmarktintegration in Deutschland?
Ermutigend war, dass Deutschland beim Thema Integration im europäischen Vergleich gut dar steht. Das Sprachniveau und die Beschäftigungsquote von Menschen mit internationaler Familiengeschichte sind überdurchschnittlich – bis jetzt. Auch der politisch beschlossene, sogenannte „Jobturbo“ zeigt in der wissenschaftlichen Auswertung positive Auswirkungen. Vor allem Ukrainer:innen sind dadurch neu in die Beschäftigung kommen. Ihre Zahl hat sich aufgrund des Jobturbos verdoppelt.

Integration ist Aufgabe des Staates
Erst mit dem Aufenthaltsgesetz im Jahr 2005 ist die Integration von Migrant:innen zur Staatsaufgabe geworden. Eigentlich eine gute Entscheidung, denn selbst kleine Gesetzesänderungen haben einen große Auswirkung auf den Arbeitsmarktzugang, was wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte. Wenn die Politik wollte, könnte sie hier noch mehr bewirken.

Empfehlungen und Fazit
Am Ende des Vortrages gab Dr. Harder sehr deutliche Empfehlungen, vor allem in Richtung der Politik, aber auch unserer gesellschaftlichen Haltung.

·       Integrationspolitik ist Investition nicht Förderung – gerade über Integrationskurse

·       Keine Migrationspolitik durch Integrationspolitik – seit den 1990er Jahren gibt es keinen Beleg, dass gute Integrationsleistungen die Migration wesentlich antreiben

·       Der globale Wettbewerb um Migration nimmt zu – Deutschland muss durch Wohnen, Bildung, Infrastruktur, Bürokratieabbau und Einkommen attraktiver werden, sonst verlieren wir viel