Liebe Engagierte und Interessierte an der Aktion Neue Nachbarn in Köln,
wir hoffen, Eure und Ihre Weihnachtstage waren angenehm und wünschen Ihnen und Euch alles Gute für das neue Jahr!
Denken wir doch zum Beginn von 2026 etwas Grundsätzliches an, dass im Leben überall mitschwingt – dem Wir. Genauer gesagt das Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit, das wir mit allen Menschen teilen. Es fängt schon bei Kindern an, für die die Ursprungsfamilie das erste kleine Wir bildet, das sie erleben. Jugendliche suchen dann meist ein neues Wir – eine Community mit gemeinsamem Lebensgefühl. Und so geht es weiter: Wir fühlen uns verbunden mit unserem Freundschaftskreis, unserem Veedel, unserem Sportverein unserer Kirchengemeinde oder religiösen Gemeinschaft und mit allen Gruppen, mit denen wir uns identifizieren. Im Laufe des Lebens kommen so viele Zugehörigkeiten zusammen, sowohl nacheinander als auch gleichzeitig. Egal wie alt wir sind und woher wir kommen, wir brauchen ein Wir, das uns hält.
Ein gesellschaftliches Problem entsteht dann, wenn das Wir durch ein Feindbild definiert wird. Vielleicht gegenüber einer Gruppe von Menschen, die auf uns bedrohlich wirken könnten, weil sie zunächst anders erscheinen als Wir oder die vermeintlich etwas von dem haben wollen, was wir angeblich nicht mehr teilen können, weil es schon für „uns“ kaum reicht. Die Grundgefühle eines solchen Wir sind einerseits die Angst vor dem „Anderen“, andererseits aber auch Überlegenheit – Wir sind besser, richtiger als „die“. Seit Jahren gibt es in Deutschland nun eine Partei, die genau diese Gefühle in Deutschland triggert und unser Land über ein angeblich bedrohtes Wir mit Erfolg spaltet. Der bekannte Publizist Michel Friedman, dessen Eltern zu den etwa 1.200 jüdischen Menschen gehören, die den Nationalsozialismus nur dank Oskar Schindler überlebt haben, nennt sie in seiner Rede zu dessen 50. Todestag aus 2024 die Partei des Hasses. Durch Hass ist noch nie etwas Gutes entstanden.
Was wir brauchen, ist kein geschlossenes oder exklusives Wir, dass sich über ein Dagegen definiert.
Wir brauchen ein offenes und integratives Wir, das weiß, wofür es steht: für Menschlichkeit, für Gerechtigkeit, für die Überzeugung, dass jeder Mensch zählt und die Würde jedes Menschen unantastbar ist. Es ist eine zutiefst christliche, jüdische, muslimische und auch kölsche Haltung, dass Mitmenschlichkeit keine Schwäche ist, sondern das, was unsere Gesellschaft stark macht. So entsteht Vertrauen und das hält eine Gesellschaft zusammen.
Darum sollten wir in diesem neuen Jahr dem Wir der Mitmenschlichkeit noch einmal viel bewusster eine Stimme geben – in unseren Gemeinden, Initiativen, Nachbarschaften. Sprechen wir doch über unsere menschlichen Begegnungen mit Anderen und über das, was dadurch möglich ist. Erzählen wir die vielen guten Geschichten des Miteinanders. Damit machen wir sichtbar, dass das offene Wir längst hier ist und weiter positiv wirkt – in jedem Begegnungscafé, mit jeder ehrenamtlich investierten Stunde für einen anderen Menschen, mit jedem freundlichen Wort auf der Straße. Das ist gelebte Nächstenliebe.
Eine solche kölsche Wir-Geschichte gibt es auch wieder in diesem Newsletter unter der Überschrift „ANN macht möglich“.
Viel Freude und Inspiration beim Lesen wünschen
Isabel Heinrichs und Uli Thomas |