Mahnwachen zum "Tag der menschlichen Solidarität" 2016

Mitten im Weihnachtstrubel haben sich neun Initiativen aus dem Rhein-Erft-Kreis zusammengetan, um ein Zeichen gegen Krieg, Terror und unmenschliche Asylpolitik zu setzten.
„Terror in Berlin – Terror in Syrien. Stoppt die Terroristen“ so lautet die Forderung auf dem Plakat von Nedal, Asylbewerber aus Syrien. Er ist einer von etwa 120 TeilnehmerInnen einer Mahnwache in Frechen am Abend des 20.12.2016.Fatima Moulim, die für den Sozialdienst katholischer Frauen Rhein-Erft-Kreis e. V. geflüchtete Frauen und Familien, darunter viele SyrerInnen begleitet und berät, berichtet:

„Täglich hören wir erschreckende Nachrichten aus Krisengebieten, die Frauen die ich hier betreue, werden krank vor Angst um ihre Angehörigen.“ Diesen Menschen wollte Moulim eine Gelegenheit geben, ihren Schmerz auszudrücken. Deshalb stellte sie die Versammlung in Frechen auf die Beine. Ehrenamtlich Engagierte aus verschiedenen Initiativen aus Frechen, Königsdorf und Brauweiler, sowie die kath. Kirchengemeinde und Kreisdechant Achim Brennecke unterstützten das Ansinnen und mobilisierten ihre Mitglieder sich zu beteiligen.

Zeitgleich versammelten sich auch in Brühl und in Hürth Geflüchtete und Engagierte um ein Zeichen zu setzen. Allen Gruppierungen gemeinsam war, dass sie sich auf den „Internationalen Tag der menschlichen Solidarität“, den die UNO im Jahr 2005 auf den 20. Dezember eines jeden Jahres legte bezogen. „Um die Probleme in unserer komplexen Welt zu lösen, brauchen wir Solidarität.“ Mit diesen Worten wies der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon 2012 auf eine wichtige Voraussetzung funktionierender Gesellschaft hin. „Angesichts aktueller politischer Entwicklungen in Deutschland und in der Welt vermissen wir menschliche Solidarität.“ So Reiner Besse, Sprecher des Runden Tisches Flüchtlingshilfe in Brühl, dem es innerhalb weniger Tage gelang, zahlreiche Initiativen und Einzelpersonen zur Mitwirkung bei einer Mahnwache auf dem Brühler Weihnachtsmarkt zu bewegen.

 

In Hürth, wo sich Helga Pimpertz mit der Hürther Brücke der Kulturen ehrenamtlich für Integration von Migranten einsetzt, beobachtet diese, dass das Grundrecht auf Asyl in Deutschland schrittweise eingeschränkt wird und sich die Stimmung gegenüber Schutzsuchenden verändert hat. „Selbst an einem Tag wie heute, wo wir gemeinsam über die Opfer des Terrors trauern, werden Geflüchtete Menschen verantwortlich gemacht – dabei sind die doch selbst vor der Gewalt in ihrer Heimat geflohen!“

Gemeinsam haben insgesamt neun bürgerschaftliche, migrantische und kirchliche Gruppen aus Hürth, Frechen, Brauweiler und Brühl, die über die Aktion Neue Nachbarn des Erzbistums Köln miteinander vernetzt sind, sich entschieden, den „Internationalen Tag menschlicher Solidarität“ zu nutzen um auf solche Missstände aufmerksam zu machen und dafür einzutreten, dass im Rhein-Erft-Kreis Menschen leben, die mit einer sinnlosen Politik der Kälte gegenüber geflüchteten Menschen nicht einverstanden sind.

Beteiligt waren: Aktion Neue Nachbarn im Rhein-Erft-Kreis; Arbeitsgemeinschaft christl. Kirchen (ACK), Brühl; Brühler Initiative für Völkerverständigung; Förderverein Flüchtlingsnetzwerk Frechen e. V.; Hürther Brücke der Kulturen e. V.; Initiative "Christen begegnen Muslimen - Muslime begegnen Christen", Brühl; Miteinander Füreinander Frechen; Rat und Hilfe, Brauweiler, Wir leben Brühl.

 

Berichterstattung in der Presse:

Kölner Stadtanzeiger

Wochenende

 

Gedicht eines Flüchtlings zum Terroranschlag in Berlin am 19.12.2016

Ein Wünsch

 

Ich leide,

mit allen, die in Berlin gelitten haben

Ich schäme mich,

für alle, die in Tat oder in Gedanken,

so ein Verbrechen begehen können

Ich bin dankbar,

Nicht nur für das Brot und das Dach über dem Kopf

Viel mehr für Freiheit und Gerechtigkeit,

die ich zum ersten Mal erlebt habe

Ich wünsche,

das gleiche für alle Menschen der Welt

damit,

niemand aus seiner Heimat fliehen braucht.

(Ismael, Flüchtlinge aus Hürth)

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