Fachtag Open up!

Open up! Wie offen ist unsere Gesellschaft, wie beweglich sind unsere Institutionen?

OPEN UP! MEET UP!

Entspannt, gesellig und vor allem köstlich war der Einstieg in den Fachnachmittag „OPEN UP!“, der am Freitag, den 17.11.2017, von 12 bis 17 Uhr im FORUM Volkshochschule im Museum am Neumarkt stattfand. Denn der offene Anfang mit lockerem meet up und Mittagsimbiss vom syrischen Restaurant Damaskus Haus trug dazu bei, dass sich die rund 150 TeilnehmerInnen zunächst mit anderen Gästen austauschen und bekannt machen konnten, bei Falafel, Humus, Suppe und Salat ins Gespräch kamen. Der syrische Oud-Spieler Khater Dawa begleitete den Auftakt musikalisch und so konnten Gäste, PodiumsteilnehmerInnen und Veranstalter gemütlich (und gestärkt) Platz nehmen. Für Suppenkoma blieb keine Zeit…

 

 

 

VIELFALT ALS POSITIVE HERAUSFORDERUNG SEHEN

…denn schon um 13 Uhr begrüßte Moderatorin Marija Bakker die Gäste im Namen der Veranstalter. Im Unterschied zum vergangenen Fachtag „Ankommen, Willkommen, Bleiben“ (02.12.2016) wurde dieser Nachmittag gemeinsam mit dem syrisch-deutschen Kulturverein 17-03-17 und dem Migrantenverein Migrafrica vorbereitet und durchgeführt. Für die Veranstaltergemeinschaft sprachen Stadtdechant Msgr. Kleine und Homaira Mansury vom FORUM VHS einleitende Worte. Msgr. Kleine betonte, dass es nun – nach der Phase der Willkommenskultur – darum gehe, den neuen Raum des Miteinanders zu gestalten. Hierfür müssen neue, gemeinsame Perspektiven entwickelt werden. Wenn Vielfalt als positive Herausforderung und nicht etwa als Bedrohung verstanden werde, könne die Gestaltung der Gesellschaft zu einem Gewinn für alle Beteiligten werden. Auch Frau Mansury konnte sich dem nur anschließen und ging auf die unterschiedlichen Ressourcen der Player in der Stadtgesellschaft ein. So könne jeder etwas beitragen, das FORUM biete hierfür einen Raum. Ein Ort, über den viele Zielgruppen erreicht werden können, ein Ort der Diskussion und Gestaltung. 

 

 

 

 

EINWANDERUNG ODER GESELLSCHAFT GESTALTEN?

Die Integration – für viele das Mittel für eine funktionierende Gesellschaft – reicht aber vielleicht nicht aus. Vor allem wird Integration nicht dazu führen, dass wir wieder eine monoethnische Gesellschaft werden. Das sagte jedenfalls Impulsgeber Mark Terkessidis, der die Vielheit in Person selbst schon mitbringt. Er stieg dann auch ohne große Umschweife direkt in die Thematik ein. Zu Beginn seines Vortrags mit dem Titel „Der Vielheitsplan. Vorschläge für die Einwanderungsgesellschaft jenseits von Integration“ kam er auf ein konkretes Projekt in Köln zu sprechen. Er habe sich im Vorfeld der Veranstaltung über das Projekt „Einwanderung gestalten NRW“ informiert. So zitiert er aus der Vision des Projekts: „Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung sind ein anerkannter Teil unserer Gesellschaft.“ Dieses Zitat nimmt Terkessidis zum Anlass für seine folgende – zum Teil scharfe Kritik – an dem Projekt. Rund ein Drittel der Kölner EinwohnerInnen habe Migrationshintergrund. Wir alle zusammen sind die Gesellschaft. Daher müssten wir uns doch viel eher fragen, wie wir die Gesellschaft gestalten und nicht, wie wir die Einwanderung gestalten. Denn Fakt ist doch, wir sind eine Einwanderungsgesellschaft. Und das nicht erst seit der sogenannten Flüchtlingskrise im Jahr 2015. Die Mitwirkenden in dem kommunalen Projekt, das vom Land NRW für die Dauer von zwei Jahren gefördert wird, seien vornehmlich deutscher Herkunft, kritisierte Terkessidis. Dieser fundamentale Denkfehler sei auch Grund dafür, dass wir nicht richtig lernen. Denn seit 1989 steht auch offiziell fest, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Und seit 30 Jahren verfolge er als Migrationsforscher Diskussionen rund um die Themen Integration, Migration und Einwanderung und er sehe hier keine Fortschritte.

 

 

PERSPEKTIVWECHSEL DRINGEND ERFORDERLICH!

Migration ist heute ein zentrales Thema. Es handelt sich eben nicht mehr um ein Randthema. Und so müsse es auch behandelt werden. Über Integration und Einwanderer werde seit fünf Jahrzehnten diskutiert. Immer wieder drehe man sich im Kreis, wenn über Sprachprobleme, patriarchale Systeme oder die Ghettobildung (also „Parallelgesellschaft“) gesprochen werde. Dieses sogenannte Defizitdenken („der arme, bedürftige, defizitäre Flüchtling“) bringe uns aber nicht weiter. Terkessidis plädiert für einen Perspektivwechsel. Dieser sei dringend erforderlich. Vielheit müsse Voraussetzung jedes politischen Handelns sein. Das sei auch anstrengend und nicht immer toll. Aber: „Inklusion ist eben kein nice to have. Wir müssen das machen!“

 

DER VIELHEITSPLAN: PERSONAL, ORGANISATION, KOLLABORATION

Drei Bereiche seien ihm dabei besonders wichtig. Dies sind der Personalbestand, die Organisationskultur und die Kollaboration. Zum Personalbestand nannte er das Beispiel aus der Schule. Bei der Schülerschaft werde einem die Vielheit „mit der Faust ins Gesicht gehauen“. Im Lehrerzimmer hingegen ist von Heterogenität keine Spur. Die „Problemschule“ werde als solche von LehrerInnen kategorisiert, die jedoch selbst in anderen Vierteln leben und somit kaum gemeinsame Schnittmengen mit SchülerInnen haben. Die Parallelgesellschaft sitzt, Terkessidis zufolge, im Lehrerzimmer. Bei der Rekrutierung von Personal müsse diversity unbedingt berücksichtigt werden.

Auch die Organisationskultur müsse sich verändern. Beispiel Polizei. Diese sei stark in Bewegung. Allerdings habe der Fall NSU gezeigt, dass bei der Organisationskultur etwas falsch laufe. Training on the job sei erforderlich. Interkulturelle Kompetenz ja, aber das müsse auch noch tiefergehen. Es sei nicht immer offensichtlich, wie die Leute ticken. Zusammenarbeit, Supervision, Regelmäßige Schulungen des Personals. Überwachung der Polizeiarbeit. Organisationsentwicklung darf kein Fremdwort sein. Bestandsaufnahme: Wo stehen wir gerade. Hier nennt der Referent das Beispiel „Kevin“. LehrerInnen wurden zu ihren Assoziationen zum Vornamen Kevin gefragt. Viele gaben an, dass es sich hierbei wahrscheinlich um ein verhaltensauffälliges Kind handele. Als weiteres Beispiel führt Terkessidis die Elternarbeit in Kitas und Schulen auf. Eltern von Schülern mit Migrationshintergrund kommen eben nicht. Fertig. Das kann es ja nicht sein, empört sich Terkessidis. Wie gestalten wir die Migrationsarbeit? Darüber müsse man doch nachdenken. Er erkennt an, dass es nicht einfach ist. „Einerseits darf ich nicht über Migrationshintergrund nachdenken, weil wir alle eine Gesellschaft sind. Aber ich darf es auch nicht vergessen, denn es gehört zum individuellen Referenzrahmen eines jeden.“

Zum Thema Kollaboration erwähnte Terkessidis, dass der Begriff Partizipation ihm zu schwächlich sei. Es gehe schließlich nicht um ein bisschen Beteiligung, sondern um intensivere Formen der Zusammenarbeit. Das Beispiel Stuttgart 21 habe gezeigt, dass Leute etwas über die DB wussten, was die DB bis dahin selbst noch nicht wusste. So gebe es hoch qualifizierte Leute, die einen ganz anderen Blick auf die Sache selbst haben. Das Stichwort Augenhöhe, das gerade auch bei vielen Flüchtlingsprojekten betont werde, müsse anders verstanden werden. Als deutscher Staatsangehöriger, der die Sprache spricht, mit gewissem ökonomischen und sozialen Standard etc. auf Augenhöhe mit Geflüchteten zu sein, ist seiner Meinung nach erst einmal nicht gegeben. Aber: Augenhöhe lässt sich herstellen, indem Geflüchtete Autorität und Verantwortung bei der Zusammenarbeit übernehmen und diese ihnen auch zugestanden wird.

Zum Schluss betont Terkessidis die Notwendigkeit einer Fehlerkultur. "Wir haben nur erfolgreiche Integrationsprojekte. Warum gibt es keine Datenbank über die absolut misslungenen Projekte? Wir leben in einer komplexen Welt. Wir brauchen eine Datenbank der schlimmsten Fehler. Daraus können wir lernen."

 

 

DIE KRITIK AN DEM PROJEKT IST WENIG ZUTREFFEND, ABER UNTERHALTSAM

...so äußerte sich der Flüchtlingskoordinator der Stadt Köln, Hans-Jürgen Oster, zu den Vorwürfen des Referenten. Ja, es gebe eine Defizitbetrachtung im Rahmen des Projektes "Einwanderung gestalten NRW", diese sei auch gut und sinnvoll, denn es gehe ausschließlich um Defizite in den internen Verwaltungsabläufen. Das Projekt sei vor allem dazu da, die Stadtverwaltung in den Fokus zu nehmen. Oster sieht einen klaren Bedarf, bestimmte Prozesse zu beschleunigen und auch zu vereinfachen. Ziel sei es, die Bedingungen für Neueinwanderer zu verbessern. Hierfür sei man intern gut aufgestellt, auch VertreterInnen aus den Willkommensinitiativen nehmen teil, um ihre Erfahrungen aus der alltäglichen Arbeit mit Geflüchteten einfließen zu lassen. So seien drei Unterarbeitsgruppen zu den Themen „Wohnen“, „Bildung und Arbeit“ und „Sprache“ gebildet worden. In diesen UAGs sollen Vorschläge erarbeitet werden, wie Strukturen optimiert werden können, die dem Rat der Stadt Köln dann vorgelegt werden. Als Beispiel nannte Oster die geplante Einführung von „Video-Dolmetschern“. Selbstverständlich müssten auch die MitarbeiterInnen in der Stadtverwaltung über die Ziele des Projektes informiert werden. Daher habe man die Kickoff Veranstaltung im Rathaus durchgeführt, sozusagen als „Werbeblock“, um für die Akzeptanz des Projekts zu werben und die Ziele zu verdeutlichen.

Terkessidis zeigte sich wenig erfreut angesichts der Tatsache, dass man hier „wieder unter sich bleibe“. Die Abgrenzung des „wir“ und „ihr“, die unklare Formulierung der Zielgruppe – Neueinwanderer, Migranten, Flüchtlinge, … (begrenzte Reichweite des Projekts, wenn es sich "nur" um eine vorübergehende „Lebenslage des Kunden“ handele) - sowie das fehlende Benchmarking („wann hat dieses Projekt echt was erreicht?“) seien wenig erfolgversprechend. Auch, dass keine Migrantenorganisationen an dem Projekt beteiligt seien, sieht Terkessidis als Fehler.

 

EXPERTISE VON MIGRANTENORGANISATIONEN EINKAUFEN?

Amanuel Amare, Interkultureller Promotor beim Verein Migrafrica e.V., lebt bereits seit den 90ern in Deutschland. Der gebürtige Eritreer / Äthiopier hat schon früh damit angefangen, seine Erfahrungen und Kenntnisse, die er in Deutschland gesammelt hat, an Geflüchtete aus afrikanischen Herkunftsländern weiterzugeben. Zunächst ehrenamtlich, mittlerweile hauptberuflich. Mit seinem Verein vertritt er den Ansatz, dass ehemalige Geflüchtete und in Deutschland lebende Migranten die besten Zugänge zu Geflüchteten haben und somit eine wertvolle Hilfestellung bei der Integration leisten können. In Form von Workshops und Fortbildungen zu unterschiedlichsten Themen werden Geflüchtete geschult, ausgebildet und qualifiziert, um irgendwann vielleicht selbst als Kultur- und Sprachmittler tätig zu werden, ihr eigenes startup gründen oder sich in einem eigenen Verein selbst organisieren können. Besonders wichtig ist dem gelernten Chemiker, dass die Leute für ihre Arbeit bezahlt werden und dadurch eine Wertschätzung, aber auch eine berufliche Perspektive bekommen. Im Unterschied zu den 90ern, als Amare mit seiner Familie in Deutschland ankam, gebe es heute deutliche Verbesserungen. Der Gedanke der Vielheitsgesellschaft sei aber noch nicht in allen Köpfen angekommen. Als Beispiel nannte Amare seine Wahrnehmung, dass ein Migrantenverein nicht ernst genommen werde im Vergleich zu den großen Wohlfahrtsverbänden beispielsweise. So habe er von dem Projekt „Einwanderung gestalten NRW“ in Köln noch nichts mitbekommen, obwohl er über sehr gute Netzwerke und Kooperationen – sogar europaweit verfüge. Hier wünscht er sich mehr Offenheit und Akzeptanz für die Arbeit seines Vereins – auch von der Verwaltung. Denn durch seine Expertise und insbesondere aus der Perspektive der Menschen mit Flucht-/oder Migrationshintergrund könne doch wesentlich dazu beigetragen werden, bestimmte Defizite aus dem Weg zu räumen. Konkret bot er Herrn Oster, dem Leiter des Projekts „Einwanderung gestalten NRW“, seine Mitarbeit an. Allerdings solle man darüber nachdenken, wie man eine solche fachmännische Beteiligung von Migrantenorganisationen bezahlen wolle. 

 

INTEGRATION IST WIE LIEBE, SIE MUSS VON BEIDEN SEITEN KOMMEN

Jabbar Abdullah, Archäologe und Autor aus Syrien, ist erst vor drei Jahren nach Köln gekommen. Er hat in den Zeiten des Willkommens viel Unterstützung erfahren, lebt in seiner eigenen Wohnung, arbeitet im römisch-germanischen Museum, hat Freunde gefunden. Ja, ich fühle mich integriert, sagt er, aber wir müssen uns auch weiterhin über unsere Kulturen austauschen. Das sei sehr wichtig, deshalb hat er mit syrischen und deutschen Freunden den deutsch-syrischen Kulturverein 17-03-17 gegründet. Gemeinsam organisieren sie Veranstaltungen – Ausstellungen und Lesungen zu den Themen Syrien, Kunst und Flucht. Vielleicht werde man aber bald das Thema Flucht auch nicht mehr so in den Vordergrund stellen, dann werde es „nur“ noch um den Kulturaustausch und die Völkerverständigung gehen, so Abdullah. Seiner Meinung nach – und mit Blick auf Herrn Oster gerichtet – müsse man die Menschen anhören und ihnen die Möglichkeit geben, sich einzubringen und zu beteiligen. Nur so gelinge langfristig eine gute Integration. Denn „Integration ist wie Liebe, sie muss von beiden Seiten kommen“.     

 

INTERKULTURALITÄT IST NORMAL BEI UNS!

Auf dem Podium kamen nach der Pause Iva Krtalic für den WDR, Dr. Heinz Becker für die Stadtverwaltung und Peter Krücker für den Caritasverband zu Wort. Der Caritasverband orientiert sich zunächst einmal an den Bedarfen der hilfsbedürftigen Menschen, meint Krücker. Die Hilfsbedürftigkeit von Menschen ist immer individuell. Es gibt hier keine Norm. Denn die Bedarfe sind so individuell wie die Menschen selbst. Interkulturalität ist beim Caritasverband schon lange ein Thema, nicht erst seit der Flüchtlingskrise. Natürlich geht der Lernprozess immer weiter – „man wird ja nicht fertig“. Organisationen wie die Caritas müssen auch immer in Bewegung und Veränderung bleiben. Was das Personal betrifft, sei die Caritas gut aufgestellt. Das ist allein schon aufgrund der Vielzahl an Projekten im interkulturellen Bereich erforderlich. Auch in den Beratungen arbeitet die Caritas mit vielen Dolmetschern. Wir arbeiten mit vielen Menschen aus anderen Ländern und Kulturen, selbstverständlich auch mit Menschen, die eine andere Religionszugehörigkeit haben, betonte Krücker. Eine Fehlerkultur, wie Terkessidis sie sich wünscht, gebe es bei der Caritas allerdings nicht.

 

WAS WILLST DU DENN NOCH, WIR MACHEN DOCH SCHON SO VIEL!!

In den letzten 10 bis 15 Jahren sind wir weit gegangen, berichtet Iva Krtalic, Integrationsbeauftragte des WDR, aber das reicht ja noch nicht. Schließlich gebe es auch den öffentlich-rechtlichen Auftrag Vielfalt zu kommunizieren. Daher hat auch viel Veränderung stattgefunden. Der „homogene Haufen“ beim WDR, zu dem sie sich selbst auch zählt, obwohl sie selbst Ausländerin ist, ist einfach nicht repräsentativ für unsere Gesellschaft. Leider finden viele Menschen aufgrund von unterschiedlichen Barrieren keinen Zugang zu den Medien. Daher gebe es nun Programme, um junge Geflüchtete auch für  Medien zu begeistern und ihnen die Möglichkeiten von Berufsausbildungen in der Medienbranche vor Augen zu führen. Eines dieser Projekte ist die Talentwerkstatt „WDR grenzenlos“. „Vielfalt heißt eben nicht, Beiträge über Integration zu machen. Wir müssen das glaubwürdig anpacken!“ Dazu gehöre zum Beispiel auch als weiterer Baustein die Vielfalt bei den Führungskräften.

 

VIELHEIT UND VEREINFACHUNG, GEHT DAS ZUSAMMEN?

Wie beweglich sind unsere Institutionen Herr Dr. Heinz? Auf die Frage von Moderatorin Marija Bakker reagiert Dr. Heinz gelassen. Als Organisationsentwickler und Leiter der Verwaltungsreform der Stadt Köln wirft Heinz einen anderen Blick auf die kommunalen Behörden. Denn die Verwaltung habe aufgrund ihres historischen Ursprungs den Auftrag klar zu sein. Einheitlichkeit und Eindeutigkeit sind wesentliche Eigenschaften dieser historisch gewachsenen Struktur. Wenn eine Verwaltung anfinge, flexibel auf bestimmte Vorgänge zu reagieren, dann verliere sie den Kern dessen, was Verwaltung im eigentlichen Sinn ausmacht. Verwaltung setze sich damit möglicherweise dem Vorwurf der Ungleichheit aus. Das entspreche aber eben nicht dem Ziel der Verwaltungsarbeit. Eine Verwaltung habe die Aufgabe, Rechtsvorschriften umzusetzen. Um allen die gleichwertigen Rechte zu ermöglichen, sei es erforderlich auch die MitarbeiterInnen zu schulen, beispielsweise im Bereich „interkulturelle Kompetenz“. "Die Herausforderung liege doch darin, dass ich Vielheit einführen muss und gleichzeitig auch die Vereinfachung. Die Kunst liegt darin, bewusst zu vereinfachen und bewusst auszuweiten. Wir können als Verwaltung nicht willkürlich mit Vielheit umgehen!" Für die Zukunft wünscht Dr. heinz sich, dass die Kölner Stadtverwaltung zu einer lernenden Organisation wird, die Veilheit stets mitdenkt.

 

Zum Schluss durften die TeilnehmerInnen im Veranstaltungssaal noch ihre Fragen an die Podiumsgäste richten. Verschiedene Organisationen und Vereine nutzten die Gelegenheit sich in diesem Rahmen kurz vorzustellen. Unter ihnen auch Vertreter des AK Politik der Kölner Willkommensinitiativen, die sich selbstkritisch zu dem Vorwurf äußerten, dass im kommunalen Projekt "Einwanderung gestalten" keine Flüchtlingsinitiativen bzw. Migrantenorganisationen vertreten seien. Das habe man versäumt und wolle sich nun verstärkt darauf konuzentrieren, auch Experten aus Migrantenorganisationen in den Gestaltungsprozess einzubinden. Eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung äußerte sich bezüglich ihres eigenen Migrationshintergrunds. Niemand sei bisher auf sie zugekommen, um ihre Erfahrungen oder Kompetenzen auch in der Stadtverwaltung zu nutzen. Es gebe schließlich viele Menschen mit Kultur- und Sprachkompetenz bei der Stadt Köln, hier könne man doch aus den eigenen Ressourcen schöpfen. 

Insgesamt sind wir sehr froh über die breite Vielfalt an Meinungen und Themen auf der Bühne, aber auch über die Vielfalt im Publikum. Wir hoffen, dass wir mit der Veranstaltung ein wenig dazu beitragen konnten, den Blickwinkel zu ändern, neue Gestaltungsmöglichkeiten für unsere Gesellschaft zu denken und dadurch Offenheit für Vielheit zu ermöglichen.

 

Ein großes DANKE geht an unsere Förderer Aktion Neue Nachbarn, Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln, und an Migrafrica e.V. Fragen & Kommentare? fluechtlingshilfe@katholisches.koeln

 

Wichtige weiterführende Links:

 

Internetseite Mark Terkessidis

 

Projekt: Einwanderung gestalten NRW"

Förderaufruf für das Modellprojekt für Kommunen Einwanderung gestalten NRW

Oberbürgermeisterin Reker startet Projekt Einwanderung gestalten NRW in Köln

 

Migration

Grundlagendossier Migration (bpb)

DOMiD Migrationsgeschichte

 

Vielfalt beim WDR

 

 

 

 

 

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